Kein Domino-Effekt erwartet – Auswirkungen auf globaler Ebene signifikant, aber schwer prognostizierbar

Wien, 5. April 2019 – Die anstehende Insolvenz des AdTech-Unternehmens Sizmek schlägt hohe Wellen: Die gesamte Branche der Online-Marketer könnte betroffen sein, von einem Domino-Effekt ist die Rede und von Auswirkungen auf andere AdTech-Unternehmen. Einfacher wird Online-Marketing jedenfalls nicht werden, meint Harald Grabner, Gründer und Geschäftsführer der Agentur 123Consulting.

„Sizmek wurde als umfassende Plattform mit direktem Adserverzugang aufgebaut und technisch mit zusätzlicher DSP-Funktionalität erweitert. Ein Gegengewicht zu Google und Facebook mit dem Ziel, auch als international agierende Werbeplattform handeln zu können“, so Grabner. Mit der anstehenden Insolvenz (Anmerkung: Chapter 11 erlaubt nach amerikanischen Recht das Weiterarbeiten und Restrukturieren) gehe ein wichtiger globaler Player verloren, dramatische Auswirkungen für Österreich bzw. den DACH-Raum sieht der Experte allerdings nicht: „Kampagnen können sehr schnell umgebucht werden. Problematisch wären nur Vorauszahlungen, die aber ohnehin nicht die Regel sind, da normalerweise nach tatsächlichem Volumen und Werbeaufwand verrechnet wird“, so Grabner. Von einem Domino-Effekt könne zumindest für Österreich keine Rede sein, auf globaler Ebene seien die Auswirkungen der Insolvenz allerdings signifikant. Schließlich sei mit Sizmek die größte unabhängige Werbeplattform der Welt gescheitert, die zuletzt auch wegen markanter Sicherheitsmängel in die Schusslinie gekommen war. Zahlreiche Gläubiger werden in den kommenden Tagen die Situation streng beäugen.

Entwicklung des Marktes kaum absehbar
Der DACH-Bereich habe dabei den Vorteil, dass es viele lokale „Platzhirsche“ gebe, ergänzt Grabners Geschäftspartner Thomas Apollonio. „Die zentrale Frage, die sich nach der Sizmek-Insolvenz stellt, ist: Welche internationalen Größen gibt es überhaupt noch, die es mit Google und Facebook aufnehmen können? Es ist derzeit noch nicht absehbar, wie sich der Markt überhaupt entwickeln wird oder wie sich die Insolvenz tatsächlich auswirken kann – Prognosen diesbezüglich sind sehr schwierig“, so Apollonio. Etwaige Auswirkungen auf die eigene Agentur ließen sich dann abfedern, wenn man mehrere Technologien (sog. Tech Stacks) zur Verfügung habe – alsoTechnologien, die im Arbeitsalltag regelmäßig zum Einsatz kommen. „Dann kann man zur Not schnell wechseln. Allerdings braucht es dafür wieder jede Menge Knowhow in der Betreuung und Nutzung der Tech-Stacks“, so Grabner und Apollonio. Gleichzeitig stehe man im ständigen Spannungsfeld von digitaler Medienplanung, Technik und (personeller) Ressourcen sowie den wachsenden Kundenbedürfnissen, so die beiden Experten abschließend.