Zugegeben, es ist anachronistisch: das geschriebene Wort ist – immer noch – Dreh- und Angelpunkt der Suchmaschinenoptimierung. Nach wie vor kann Google weder Bilder deuten und keine Inhalte von Videos analysieren, wenn die Inhalten nicht entsprechen beschrieben werden. Texte sind und bleiben – bis auf weiteres – die einzige inhaltliche Informationsquelle für die Google-Bots.

 

Der perfekte Google-Text ist seit jeher heiß diskutiert. Unbestritten war schon immer die Bedeutung des Suchbegriffes beziehungsweise der Kombination von bestimmten Suchbegriffen zu einer Suchphrase. Google erfasst und kategorisiert Inhalte auf Basis von Schlüsselwörtern, um sie dann den entsprechenden Suchanfragen zuordnen zu können. Allerdings schieden sich die (Fach-)Geister unter anderem an der Frage, wie häufig ein bestimmtes Keyword in einem bestimmten Text idealerweise zu verwenden sei. Die Formel, mit der man hierbei zu Maße ging, ist die “Keyworddichte”: sie gibt den Anteil der Keywords in einem Text im Verhältnis zur gesamten Wortzahl wieder und wird in Prozent angegeben. Zu Beginn der Suchmaschinenoptierung galten noch um die über 3 Prozent als ideal. Texte mit derart hoher Keyword-Dichte waren kaum mehr für das Leseverhalten von Menschen bestimmt und strotzten vor Wortwiederholungen. Der Versuch, ein Schlüsselwort so häufig wie nur möglich in einen Text zu “stopfen”, wurde “Keyword Stuffing” genannt.

 

Da Googles Algorithmus immer besser im Auslesen des für einen Text prägenden Keywords wurde, konnte auch die Keyworddichte immer weiter reduziert werden. Viele Suchmaschinenexperten empfahlen 2013 bereits, den Begriff der Keyworddichte überhaupt ganz aus dem SEO-Vokabular zu streichen. Google beherrscht nämlich die semantische Interpretation von Texten mittlerweile sehr gut. Spätestens seit der Präsentation des neuen Google-Algorithmus letzten Jahres ist klar, dass der Suchmaschinengigant dabei Perfektion anstrebt. Google erkennt Worte und Formulierungen mit ähnlicher Bedeutung immer besser. Synonyme können mittlerweile ohne Nachteile im Ranking verwendet werden. Die gute Nachricht für alle Freunde einer guten Sprache: Das Ergebnis dieser Entwicklung sind lesbare Texte. Im Mittelpunkt der SEO-Texte steht nun wieder die Qualität und der Mehrwert für den Leser.

 

Auslaufmodell Keyworddichte, neuer Star WDF*IDF

Die “Keyworddichte” hatte, ganz abgesehen von der Diskussion um ihren “idealen” Wert, aber immer schon große Schwächen. Eine davon war, dass sie keine Aussage über das Auftreten eines bestimmten Schlüsselwortes im Verhältnis zu anderen Worten tätigte. Hatte man also einen Text mit dem Keyword X mit einer Dichte von beispielsweise drei Prozent erstellt, konnte der gleiche Text das Keyword Y unter Umständen in einer vergleichbar hohen Konzentration enthalten. Viele Texte sind also nicht eindeutig und ideal auf ein Keyword optimiert. Dadurch entstehen Unschärfen.

 

Präziser und effizienter ist es, Keywords nach der Formel WDF*IDF zu berechnen. WDF steht für “Within Document Frequency”. Die Frequenz eines bestimmten Wortes wird in Relation zu allen anderen in diesem Text vorkommenden Suchwörter berechnet. Je öfter ein Schlagwort also in einem Text vorkommt, desto höher sein WDF-Wert. Er wird multipliziert mit der “Inverse Document Frequency” IDF. Dieser beschreibt die Bedeutung des Schlagwortes in Bezug auf die Gesamtmenge der dazu in einer Datenbank – in unserem Fall Google – vorhandenen Dokumente. Je mehr Dokumente es zu einem Schlagwort gibt, desto schwieriger wird es also, Relevanz zu erzeugen.

 

In der SEO-Praxis hat sich herausgestellt, dass die Formel WDF*IDF im Vergleich zur herkömmlichen Messung der Keyworddichte viel besser funktioniert. Für die meisten Schlüsselwörter kann eine wunderschöne Korrelation zwischen WDF*IDF-Faktor und Ranking der Seite auf Google hergestellt werden. Berücksichtigt man dabei, dass Keywords nur eines von mehreren hundert Ranking-Signalen sind, zeigt es umso deutlicher, wie wichtig die richtigen Schlüsselwörter auf Websites sind.

 

Für den Website-Betreiber bedeutet die Content-Optimerung nach der WDF*IDF-Formel natürlich einen gewissen Mehraufwand. Für eine exakte Berechung der idealen Werte sind ja nicht nur die Festlegung der für die eigenen Angebote und Produkte geeigneten Keywords, sondern auch deren Einsatz durch den Mitbewerb festzustellen. Eine Aufgabe, die idealerweise von einer SEO-Agentur übernommen werden sollte, da professionelle Tools zum Einsatz kommen. Der Aufwand wird sich allerdings lohnen, denn mit besagter Methode wird es so präzise wie noch nie möglich, Aufwand und Nutzen von SEO-Optimierungsmaßnahmen abzuschätzen.