759 Millionen Websites bilden das Internet, das wir heute kennen. Jede einzelne hat eine eindeutige Web-Adresse. Jede dieser Adressen („Domains“) besteht aus einer durch Punkte getrennten Zeichenfolge wie beispielsweise „www.werbeplanung.at“. Der letzte Teil der Adresse, in diesem Fall „.at“, ist die sogenannte „Top Level Domain“ (TLD). Man unterscheidet zwei Arten von TLD´s: die allgemeinen TLDs oder Generic TLDs (gTLDs), also beispielsweise „.com“ oder „.biz“, sowie die länderspezifischen TLDs (country-code TLDs oder ccTLDs) wie eben das „.at“ von „werbeplanung.at“.

 

Angesichts von 760 Millionen Websites schrumpfte die Auswahl frei verfügbarer und sinnvoller Domains rasant. Schon lange verlangten viele Websitebetreiber von der ICANN, der obersten Domain-Verwaltung des Internets, neue Top-Level-Domains. 2012 konnte man bei der ICANN seine Wünsche platzieren. 1.930 Einreichungen wurden akzeptier. Sie werden in den nächsten Jahren nach und nach als TLDs verfügbar sein. Darunter finden sich generische Adress-Endungen wie .love, .shop oder .app genauso wie Marken-Domains (etwa .bmw oder .goog) und jede Menge geospezifische TLDs (.nyc, .boston, .paris zum Beispiel). Die ersten neuen generischen TLDs sind seit einigen Wochen verfügbar, darunter .tips, .email, .bike, .guru oder .holdings. Dutzende weitere sind bereits in der Genehmigungsphase. Für .wien beispielsweise läuft aktuell der Vergabeprozess.

 

Neue TLDs aus SEO-Sicht

Die Vielfalt an neuen TLDs zeichnet nicht nur Lach- sondern auch Sorgenfalten in das Gesicht so mancher Online Marketing Verantwortlicher. „Brauchen wir sie oder brauchen wir sie nicht?“, ist die Gretchenfrage.

 

„Kommt darauf an, wofür“, ist die richtige Antwort. Beispielsweise entstehen mit den neuen TLD´s exzellent passende Domains. Die Domain „fahrrad.de“ ist schon lange vergeben, „fahrrad.shop“ wäre eine neue Möglichkeit für einen E-Commerce-Anbieter von Fahrrädern. Oder, als zweites Beispiel: Für ein lokales Wiener Business mit Online-Präsenz kann die .wien-Domain Sinn machen, weil schon in der Domain Bezug auf die geographische Niederlassung genommen und dem Kunden damit die Querverbindung zwischen online und offline erleichtert wird.

 

Durch die SEO-Brille gesehen ist die Antwort, zumindest was kurzfristige Effekte betrifft, relativ: ein Umstieg auf die neuen Domainendungen bringt kaum sichtbare Effekte auf das Ranking. Im Gegenteil: man steht vor einer Vielzahl von für das Google-Ranking potenziell schädlicher oder zumindest nicht gewinnbringender Situationen.

 

Nur zwei Beispiele: Sie etablieren eine neue Website unter neuer TLD und kopieren die Inhalte der bestehenden Seite. Das wäre eine schlechte Idee. Ein wichtiger Faktor für eine gute Position auf den Suchergebnisseiten von Google ist „einzigartiger“ Content. Vorhandene Inhalte zusätzlich auf einer neuen Domain anzubieten schafft aber doppelten Content, sogenannten „Duplicate Content“. Sie würden also eine Maßnahme setzen, die fast zwingend zu einem Absturz der Website in der Suchmaschinenposition führt.

 

Also machen Sie, um keine negativen SEO-Effekt zu erzielen, eine Weiterleitung des Traffics von der alten auf die neue Seite. Dann allerdings machen Sie sich viel Mühe für keinen SEO-Nutzen. Selbst wenn ein wichtiges Keyword in der neuen Domain enthalten ist, ist mit einer Verbesserung der Rankings nicht zu rechnen. Seit Jahren zeigen Analysen, dass Keywords in der Top Level Domain das Ranking in den Suchmaschinen nicht verbessern. Außerdem sollten Sie bedenken, dass Sie beim Umstieg auf eine neue TLD beim Linkbuilding wieder bei Null beginnen. Sämtliche mit viel Geld und Zeiteinsatz aufgebauten Links werden wertlos.

 

Von Google selbst kommen relativ klare Signale. Man könne nicht erwarten, dass die neuen TLDs zu einer Verbesserung im Ranking führen, heißt es dort. Man wolle erst abwarten, wie sich die neuen Domain-Endungen auf dem Markt etablieren. Erst wenn hier mehr Klarheit herrscht, werde man mit der Anpassung des Suchalgorithmus beginnen.

 

Der langfristige Effekt der neuen TLDs ist aktuell noch sehr schwer abzuschätzen. Nicht auszuschließen ist, dass Google früher oder später die Domainendungen stärker in das Ranking miteinbezieht. So könnten beispielsweise E-Commerce-Anbieter von der .shop-Endung profitieren. Lokale Anbieter, etwa Ärzte, Einzelhändler oder Vereine, könnten mit den neuen geo-TLDs wie .wien Vorteile bei mobilen Suchanfragen bekommen.

 

Wer also auf Nummer sicher gehen will, sollte sich die passenden TLDs jetzt schon sichern. Wann und wie stark man aus SEO-Sicht profitieren wird, bleibt abzuwarten.